Montag, 6. Oktober 2008

3. Tag, 5.10.08, War wohl nix



Dorota an der Rezeption hatte uns gestern vorgewarnt, der Wetterbericht sagte für heute Regen voraus. Der erste Blick aus dem Fenster zeigte uns, dass auf den isländischen Wetterbericht doch manchmal Verlass ist. Es sah aber alles gar nicht so schlimm aus, es tröpfelte so leicht vor sich hin und wir, als sturmerprobte Islandreisende, machten uns keine Sorgen. Nach einem etwas kürzeren Frühstück, machten wir uns per Taxi auf zur Hertz Autovermietung und holten unseren fahrbaren Untersatz für heute ab. Danach nochmal kurz ins Hotel, die Regenkleidung und etwas Proviant und warmen Tee eingepackt dann ging es los in Richtung Ringstrasse (diesmal ohne Verfahren). Kurz nach Reykjavik sahen wir auf der Anzeigetafel der Strasseverkehrsbehörde, dass die Temperatur auf der Hellisheidi bei 1 Grad plus lag, also eigentlich kein Thema. Wir nahmen dann die Abzweigung in Richtung Nesjavellir, um dort am Kraftwerk vorbeizufahren und da traf es uns dann doch ziemlich hart. Die Strasse war teilweise schneebedeckt und an manchen Stellen spiegelglatt, da es aber regnete und die Aussentemperatur deutlich im Plusbereich lag, fuhren wir, natürlich etwas langsamer, weiter. Als uns plötzlich ein Bus der Iceland Excoursions mit einem Schild "Golden Cicle" hinter der Windschutzscheibe entgegenkam, wussten wir schlagartig zwei Dinge: die einzelne zu sehende Fahrzeugspur, der wir bisher gefolgt waren, stammte von einem Bus und zweitens, wenn der umdrehen muss, schaffen wir die Steigung auf die wir gerade zufuhren erst recht nicht. Deshalb ebtschlossen wir uns den Umweg über Nesjavellir zu streichen und zurückzufahren auf die Ringstrasse. An der nächsten Steigung erfuhren wir dann, dass ein Toyota Yaris wohl doch nicht das richtige Winterfahrzeug für Überlandfahrten in Island ist. Kurzerhand, wir sind ja flexibel, entschlossen wir uns doch im Flachland zu bleiben und in Richtung Reykjanes zu fahren. Wir suchten uns auf der Karte eine Strecke über Porlakshöfen in Richtung Hafnarfjördur und wollten dann über Njardvik, Sandgerdi und Grindavik fahren. In Porlakshöfen kamen wir gleichzeitig mit der Fähre von den Westmänner Inseln an. Wir haben beim Anlegemannöver und beim Entladen zugesehn. Dazu mussten wir allerdings im Auto bleiben, weil uns der Wind sonst ins Meer geblasen hätte. Der Regen hatte sich zum Wolkenbruch entwickelt und der Wind war kurz vor Sturmstärke, die Regenmassen bewegten sich fast waagerecht. Kurz nachdem wir wieder losgefahren sind, hörte der Regen wie auf Befehl auf und wir nahmen einen Aussichtspunkt am Strand ins Visier. Dort angekommen, fing es sogleich wieder an zu regnen. Mehr als ein paar Schnappschüsse waren nicht drin. So entschlossen wir uns dann weiterzufahren. An der Abzweigung in Richtung Krysuvik stoppte uns dann ein Schild, das eine Baustelle mit 5,3 km Länge versprach, die Strasse sah sehr holprig aus und war mit Steinen übersät. Da die Alternative der Aufstieg zur 1 gewesen wäre, wollten wir die 5,3 km in Kauf nehmen und planten dafür 20 Minuten ein, um das Auto nicht durch hochgewirbelte Steine zu demolieren. Nach ca. 15 Kilometern, fragten wir uns langsam, wann die 5,3 km wohl um sind. Mittlerweile wurden auch vereinzelt Fragen nach sanitären Anlagen gestellt, da kam die Abzweigung zu einem Cafe, das mit einem grossen Schild angekündigt wurde gerade recht. Als wir die zwei Kilometer, die auf dem Schild angegeben waren hinter uns hatten und vor einigen Sommerhäusern standen und ausser zwei rostigen Wellblechställen nur noch ein grosses Wohnhaus zu sehen war, brach, zumindest teilweise, Panik aus. Beate machte sich dann auf den Weg zu dem Wohnhaus, bei dem wir von weitem eine ältere Frau gesehen hatten. Mit dem Toyota hatten wir uns nicht getraut das letzte Stück zu fahren, da der Schnee dort ziemlich hoch auf der Zufahrt lag. Nach schier endlos scheinender Zeit, mittlerweile hatte sich das Wetter wieder zum ausgewachsenen Sturm entwickelt und es war nur noch schwer die Umgebung zu erkennen, kam Beate, sichtlich erleichtert, mit der Nachricht zurück, dass wir umdrehen und die "5,3" km zurückfahren sollten, da die sogenannte Strasse eigentlich schon immer so aussieht und wenn wir weiterfahren eher noch schlechter wird. Eine Einladung zum Kaffe für uns alle, hatte Beate dann leider dankend ablehnen müssen, damit wir überhaupt noch die Chance hatten aus dieser Gegend wieder auf eine normale Strasse zu kommen.

Wir wollen uns hier recht herzlich für die Einladung, bei der Grossfamilie von der wir leider nicht einmal den Namen kennen, zu Kaffe und Kuchen bedanken und haben heute Abend beschlossen, dass wir dort bestimmt noch einmal hinfahren und dann den Kuchen selbst mitbringen. Dass wir dazu keinen Yaris mieten, versteht sich wohl von selbst.


Als wir endlich wieder "festen Boden" unter den Rädern hatten, nahmen wir die Strasse in Richtung Reykjavik zurück und fuhren zur Perlan. Wohl überflüssig zu erwähnen, dass zwischenzeitlich der ganze Schnee auf und neben den Strassen getaut war, es war nur noch nass. In der Perlan besuchten wir das Sagamuseum und stärkten uns mit einem heissen Kaffee in der Cafeteria. Die Kinder gaben endlich ihre ersten Kronen aus und wir fuhren zurück zum Hotel. Als wir unser Gepäck im Zimmer hatten, fuhren wir zur Hertz und gaben das Auto zurück. Auf dem Spaziergang zurück erlebten wir den isländischen Wind, der einem den Regen ins Gesicht peitscht von seiner ungemütlichsten Seite. Dafür wurden wir mit einem vorzüglichen Abendessen im Hotelrestaurant entschädigt.
Da am nächsten Morgen die Fahrt nach Akureyri ansteht, hatten wir noch die Koffer zu packen ûnd entschlossen uns ausserdem, den Rest des Abends gemütlich im Bett zu verbringen.

So war es dann wohl nix mit "Golden Circle" aber wir hatten trotzdem einen aufregenden Tag und neue Bekanntschaften in Island.