
Nach einem relativ schnellen Frühstück, liessen wir uns mit dem Taxi zum BSI Terminal bringen, um mit dem Bus nach Akureyri zu fahren. Vorher hatten wir schon einen Teil unseres Gepäcks im Keller des Hotels deponiert und den Rest in der Lobby abgestellt. Pünktlich um 8:00 Uhr standen wir dann vor dem noch geschlossenen Ticketschalter. Auf Nachfrage wurde uns gesagt, dass der Schalter eigentlich schon geöffnet sein müsste, der Mitarbeiter wohl aber im morgendlichen Berufsverkehr feststeckt, bestimmt aber bald kommt. Ca. 15 Minuten später war es dann soweit und wir bestiegen kurz vor Abfahrt den Bus. Etwas verdutzt sahen wir auf der Anzeige im Bus, die Temperatur, die bei 22 Grad lag, das konnte eigentlich nicht sein. Als aber der Busfahrer, nachdem alle Gepäckstücke verstaut und die Fahrscheine kontrolliert waren, sich seiner diverse Jacken entledigt hatte und plötzlich im orangebunten kurzarm Hawaihemd vor uns stand, glaubten wir auch der Anzeige. Der Rekordwert, während der Fahrt lag bei sagenhaften 36 Grad und die abgelegten Kleidungsstücke der Fahrgäste sprengten zeitweise die Ablagefächer über den Sitzen. Wir waren jedenfalls froh, dass wir unsere Islandpullover in den Koffern verstaut hatten.
Im strömenden Regen quälte sich der Fahrer durch den Verkehr stadtauswärts. Je weiter wir Reykjavik hinter uns liessen um so besser wurde das Wetter und man konnte die Gegend betrachten. Das erste Highlight der Fahrt war der Tunnel der unter dem fjord hindurchführt. Dieser Teil der Ringstrasse hat immer wieder etwas abenteuerliches, ein Tunnel dieser Art wäre in Deutschland undenkbar und jeder ADAC-Tester wäre entsetzt. Ohne die zivilisierte Fahrweise der (meisten) Isländer, wäre wohl auch hier diese Strecke öfters gesperrt. Kurz nach dem Tunnel passierten wir die Abzweigung nach Akranes und ab hier wurde es richtig ländlich. Die Ansieldungen bestanden nur noch aus vereinzelten Höfen. Der nächste grössere Ort war Borganes, hier hielt der Bus auch um Fahrgäste aus- und einsteigen zu lassen. Ausserdem wurden verschiedenste "Frachtstücke" ausgeladen. Der grösste Teil der Gepäckräune war auf dieser Fahrt voll mit Kartons in denen gekochter Schinken verpackt war, damit wurden die meisten Tankstellen und einige Schulkantinen an denen wir hielten beliefert. Ausser diversen Einrichtungsgegenständen und Grosseinkäufen transportierte der Busfahrer auf dem letzten Teilstück der Fahrt einen Kühlbehälter mit Blutkonserven für das Krankenhaus in Akureyri. Unglaublich aber wahr, ohne die öffentlichen Busse in Island, wäre manches noch teuerer als ohnehin schon und für viele Bewohner der entlegenen Gegenden wäre es noch schwieriger das tägliche Leben zu bewältigen. Diese Busse sind nicht nur Personentransportmittel sondern auch wichtiger Teil der Versorgung mit den sogenannten Dingen des täglichen Bedarfs. Die Kinder sahen bei jedem Halt wieder etwas neues, das sie mit den Bussen zu Hause in keinen Zusammenhang bringen konnten und sich so nicht vorstellen konnten.
Die ganze Fahrt verlief sehr ruhig und trotz, zeitweise, sehr starkem Wind ohne Zwischenfälle. Der Fahrer hatte uns zwar grillen wollen und auf die Stewardes mit den Cocktails warten wir heute noch aber seine Aufgabe hat er tadellos erledigt.
Im Hotel in Akureyri hatte man uns schon erwartet und das Einchecken dauerte keine zwei Minuten. Nachdem wir unser Zimmer gesehen hatten waren wir alle etwas baff, mit solch einer luxoriösen Herberge hatte niemand gerechnet. Wir bekamen ein riesiges Zimmer mit sehr grossem Bad in dem ausser dem Doppelkbett eine breite Bettcouch stand, die bereits für die Kinder hergerichtet war. Einfach grandios. Innnerhalb kurzer Zeit hatten wir uns häuslich eingerichtet und machten uns auf zu einem ersten Spaziergang. Wir schlenderten die Haupteinkaufsstrasse entlang und gingen dann denn Berg hinauf bis weit oberhalb der evangelischen Stadtkirche, die leider zu war. Als wir von dort ober über die Bucht sahen, fing Beate plötzlich an zu rufen und wurde immer aufgeregter. Sie hatte tatsächlich in der Bucht einen Wal auftauchen sehen. Wir anderen konnten es zuerst nicht glauben aber als das Tier das nächste Mal zum Luft holen nach oben kam hat auch Desirée es gesehen. Beim nächsten Atmen haben wir Männer auch einen Blick erhaschen können, es sollte allerdings der letzte gewesen sein. Wir sind dann gleich den Berg runter in Richtung Strasse und rüber an den Strand. Mittlerweile hatten auch zwei Autos gehalten und ein weiterer Fussgänger die Strasse überquert. Leider lies sich der Wal nicht mehr sehen und wir gingen wieder in Richtung Innenstadt. Da wir durch das Hawaiklima unseres Chauffeurs immer noch ziemlich erhitzt waren, hatten wir für unseren Spaziergang auf dicke Pullover verzichtet und wurden vom Wind, der sich langsam aber sicher in Richtung Orkan entwickelte ziemlich abgekühlt. Ausserdem warf der Wind die Wellen immer stärker an den Strand, so dass wir uns beeilen mussten um noch trocken wieder die Stadt zu erreichen. Dort wärmten wir uns in einem Souvenirshop erstmal richtig auf, natürlich nutzten die Kinder das um wieder einen Teil ihres in Kronen gewechselten Urlaubsgeldes zu verbraten. Als wir alle wieder aufgehört hatten zu zittern, machten wir uns auf den Weg zum Restaurant Bautinn um den Tag mit einer Pizza abzuschliessen.